Selbstliebe ist ein wunderbares Gefühl der positiven Selbstzuwendung und Selbstwahrnehmung. Sein zu dürfen wie man ist. Sicher sein in den Entscheidungen. Belastende Zweifel ablegen. Innere Klarheit spüren. Wissen was mir gut tut und das dann auch für mich selbst in Anspruch nehmen - ohne falsche Bescheidenheit, ohne Schuldgefühle. Natürlich steht immer dahinter - ohne anderen zu schaden oder sie zu benutzen.

Die Empathie für andere ist in der wahren Selbstliebe enthalten. Wobei ich Empathie betonen möchte und nicht Mitleid meine. So wie ich mich achtsam wahr nehme, nehme ich automatisch auch respektvoll mein Umfeld wahr. 

Menschen die in einer Depression sind können oft nur Mitleid mit sich selbst und eben auch für andere empfinden. 

Selbstliebe schließt Erwartungshaltungen aus.

Ich spreche nicht von Selbstverliebtheit. Das ist etwas ganz anderes. Selbstverliebte Menschen sehen nur sich und ihre Bedürfnisse. Meist erwarten sie, dass diese vom Umfeld erfüllt werden. 

Und die Selbstliebe hat auf keinen Fall etwas mit Überheblichkeit zu tun. Überheblich - wie schon das Wort sagt - sind Menschen die sich klein fühlen und sich über andere erheben müssen um vor sich selbst bestehen zu können.

Wer sich selbst liebt kann die anderen wertfrei annehmen. Wenn ich mich selbst mag wie ich bin, dann kann ich auch die anderen Menschen mögen oder einfach annehmen wie sie sind. Wenn ich mich allerdings immerzu kritisiere, dann kritisiere ich auch jeden anderen um mich herum. Wer viel Kritik übt ist mit sich selbst unzufrieden. Bin ich mit mir zufrieden, dann kehrt Friede in mir ein. Ein friedlicher und ausgeglichener Mensch ist freundlich zu sich und seinem Umfeld und kann jeden so akzeptieren und respektieren wie sie/er ist. Es gibt einen schönen Satz: Wie innen so im Außen.

Wer versucht andere nach seiner Vorstellung zu verändern, hat selbst ein Defizit das auf diese Weise kompensiert werden soll. Das geschieht natürlich ganz unbewusst.

Wenn ich unzufrieden mit einer Situation bin, dann muss ich sie ändern. Das kann niemand anderes für mich tun. Ich kann dabei Unterstützung bekommen und es ist sicher sinnvoll, wenn man diese annimmt.

Habe ich ein Problem mit einem anderen Menschen, dann muss ich zunächst schauen welchen Anteil ich daran habe. Stelle ich fest, dass ich an mir nichts verändern will und ich mich ok finde, aber das Problem und die damit verbundenen Spannungen bleiben, dann stimmt einfach die Chemie nicht und man sollte in beiderseitigem Interesse an eine Trennung denken. Ich muss nicht alle Menschen lieben.

Das Wort "muss" benutze ich nicht gerne, und doch gibt es Situationen die ein "muss" rechtfertigen.

Selbstliebe ist, wenn man sich selbst in den Arm nimmt und sich in den eigenen Armen geborgen fühlt.

Selbstliebe ist auch, wenn man sich menschliche Fehler und Schwächen verzeiht. Viele Menschen sehen nur ihre Fehler und haben verlernt ihre guten Seiten zu sehen. Nach dem Motto, was man gut macht ist selbstverständlich und Fehler muss man verurteilen um sie auszumerzen.

Aber das stimmt so nicht. Je mehr ich mich meinen Fehlern zuwende, umso mehr Raum bekommen sie und können dadurch wachsen! Kleiner werden Fehler nur, indem man sie wenig beachtet und statt dessen den Fokus darauf richtet was gut ist.

Ich komme aus einer Gärtnerei. Da ist es sehr anschaulich: Die Pflanzen, die viel Zuwendung bekommen, können gedeihen, die die man vernachlässigt, verkümmern. Genauso ist es mit den Fehlern. Wir sind mit viel Kritik erzogen worden. Das hat sich so verinnerlicht, dass wir heute unsere Erzieher nicht mehr dazu brauchen, wir sind längst Meister in der Selbstkritik.

Wobei ich jetzt nicht sagen will, dass ab und an ein kleiner kritischer Blick ganz verkehrt ist. Aber er sollte nur dazu dienen wieder die positive Seite zu finden, wenn man davon abgekommen ist.