Ulla hat mir folgenden Text geschickt den ich hiermit weitergebe:

Liebe Leserinnen und Leser von „Eva und der Seefahrer“,

ich habe in den letzten Tagen eine interessante Erfahrung mit der Nigeria Connection gemacht und hätte ich nicht das Buch von Gabriele gelesen, wäre ich ganz schön lange an der Nase herumgeführt worden von der verbrecherischen Nigeria Connection. Was ist passiert:

Als single habe ich von Bekannten die Kontaktbörse „Tinder“ empfohlen bekommen. Trotz des schlechten Rufs dieser Plattform fand ich diese Art des Kennenlernens nicht schlecht: Man wählt die Menschen, die einen interessieren, erst mal nach rein äußerlichen Gesichtspunkten aus, und wenn auf beiden Seiten Interesse zur Vertiefung des Kontakts besteht, kann man miteinander chatten und sich bei Bedarf auch mal treffen,

Auf diese Weise ist der „Amerikaner Mark Roberts“ in mein Leben getreten.  Angeblich ein Pilot bei der US Army , mit Ende 50 so alt wie ich, seit 6 Wochen in Wiesbaden stationiert und auf der Suche nach netten Gesprächspartnern und Bekanntschaften während seiner Zeit in Deutschland. Nach ein paar recht  freundlichen und liebevollen Nachrichten mit schönen Portraits von ihm, wurde  die Tinder Platform verlassen und per whats app weiter auf Englisch kommuniziert. Nach ca. zwei Tagen war der Tonfall der Nachrichten plötzlich gereizt.

Ich wurde  für meine Unfähigkeit kritisiert, ihn nicht richtig zu verstehen und außerdem hätte ich ja nie Zeit genug für ihn. Nach zwei Tagen leichtem Hin und Hergeplänkel – good morning honey, how was your day? - eine ziemliche Anmaßung. Dann wurde mir aber der Grund für die Verstimmung genannt und die erste Mitleidsstufe wurde bei mir erreicht: Er hatte den Marschbefehl nach Syrien bekommen. Ich bekam den Einsatzplan der US Army in Aleppo und anderen Einsatzorten auf dieser Welt als Bild zugeschickt mit seinem Namen drauf und den von einigen anderen Soldaten. Sah verteufelt echt aus für ein ungeübtes Auge. Mir war allerdings schleierhaft, wie ein Soldat solche Infos einfach so in der Welt verteilen kann.

Zwei Tagen lang bekam ich dann life Berichte von der Front in Alleppo mit Bildern von schwerst verletzten Soldaten, die er und seine Mitkämpfer durch Lufteinsätze alle wieder  rausholen mussten. Plötzlich war der Krieg nicht mehr anonym, sondern mitten in meinem Wohnzimmer und ich zutiefst betroffen von so viel Leid. Das Ganze hatte mich emotional plötzlich voll gepackt und außer Gefecht gesetzt.

Dann kam der Hilferuf, ihn doch aus dieser Hölle zu retten. Ich dachte zwar an die Einforderung der Frühpensionierungsregelung bei der US Army, aber sweatheart Mark hatte da eine ganz andere Idee: Eine Heirat mit mir – wenn auch nur zum Schein - würde ihm wenigsten einen Fronturlaub verschaffen. Er wollte Papiere schicken, die ich dann unterschreiben sollte …..

Ich kürze es ab, denn spätestens ab hier war klar, dass das alles ein übler Trick ist. Ich habe die Nummer, dass für diesen Heimaturlaub  natürlich auch Geld vorgelegt werden müsste, dann übersprungen und den Kontakt sofort abgebrochen mit herzlichen Grüßen nach Nigeria. Es kam nie mehr eine Antwort. Eine nachträgliche Recherche über google Bild hat ergeben, dass alle Bilder von Mark gefeakt waren und in Wirklichkeit von einem 4 Sterne General der US Air force stammten (immerhin!). Mark Roberts gab es nie aber dafür wahrscheinlich die Wüstensöhne Kio, Uchenna und Emeka aus Lagos.

 Lessons learned:

1. Wenn Sie auf dating Portalen Portraits von gutaussehende Amerikanern oder Ausländern sehen, die 4000 km entfernt von Ihnen sind und Sie kennenlernen möchten, dann ist das in 99% der Fälle Betrug. Tinder scheint ein Tummelplatz für die Nigeria Connection zu sein. Wenn man das Schema auch der Bilderauswahl (sehr viele US Soldaten, extrem viele Harvard und Oxford Absolventen) einmal durchschaut hat, erkennt man sofort, bei wem es sich um einen echten Kontaktsuchenden handelt und bei wem nicht.

2. Achten Sie auf die Grammatik und die Wortwahl der Texte, die sie bekommen. Ein native speaker macht nicht so viele Fehler. Die Jungs aus Afrika sind halt doch noch nicht so fit in dieser Sprache und das merkt man wirklich sehr schnell. Zur Not zeigen Sie die Texte doch mal einem englisch sprechenden Freund.

3.  Das Betrugsschema ist wie bei „Eva“ immer gleich: Stufe 1, emotionale Berührung und schnelle Bindung durch nette Worte, die jeder gerne hört. Stufe 2, ziemlich schnelle Umschaltung auf eine Krisen- oder Notsituation, aus der man den anderen befreien muss. Stufe 3, ab jetzt soll Geld fließen.

4. Selbst 4 Sterne Generäle können sich nicht dagegen wehren, dass ihre Identität von Verbrechern missbraucht wird und auch die US Army kann diese Art der Internetkriminalität nicht stoppen. Nur wir selbst sind dazu in der Lage, indem wir uns gegenseitig warnen und die Fälle publik machen.

5. Ich hab im Nachhinein so oft und so herzhaft über diese Geschichte und mich selber gelacht, dass ich jetzt an langen kalten Winterabenden eine gute story mehr zum Besten geben kann in einem Freundeskreis mit realen Menschen. Vor allem aber, weil ich keinerlei finanziellen Schaden erlitten habe Dank „Eva“.

6. Ich werde mich jetzt in der Flüchtlingshilfe engagieren, denn da ist wirklich Not am MANN!